Wie und wozu verbündet sein?

Verbündete sind Menschen, die zu privilegierten sozialen Gruppen gehören und ihre soziale Macht nutzen, um sich gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung nicht privilegierter Personen/Minderheiten einzusetzen.

Menschen mit Privilegien können ihre Privilegien abgeben, sie verwenden, um gemeinsam mit anderen Menschen Diskriminierung aufzuheben, Gesellschaft zu verändern. Menschen können […] jederzeit und überall Verbündete werden. Niemand muss es Anderen oder Betroffenen überlassen, sich für Rechte und Gerechtigkeit einzusetzen. Anstelle von Schweigen, geheimem Einverständnis oder der Haltung “ die Betroffenen können das nur selbst verändern“, knüpft das Konzept der Verbündeten an die Idee von Solidarität an, in der Menschen ohne Eigennutz oder Vorteil, ja sogar unter der Maßgabe, ggf. Nachteile bzw. eine Veränderung des eigenen Status in Kauf nehmen zu müssen, sich mit anderen und für andere Menschen einsetzen.
Die Auseinandersetzung mit Privilegien, im Sinne von qua Geburt und „zufälligem“ sozialen Zusammenhang erworbenen Ressourcen und Partizipationsmöglichkeiten, ist ein wichtiger Zugang für Verbündete.
Es setzt die Bereitschaft voraus, sich mit der jeweiligen Eigenbeteiligung an der Herstellung und Aufrechterhaltung von Machtverhältnissen auseinanderzusetzen und einen kritischen Dialog zu suchen[…].
Privilegien arbeiten unsichtbar und selbstverständlich für die Menschen, die sie haben. Sie werden ihnen oft erst dann bewusst, wenn sie bedroht sind oder plötzlich nicht mehr vorhanden sind.
Verbündete sind Menschen, die ihre eigenen Privilegien reflektieren und bereit sind, Veränderungen in Kauf zu nehmen und sich für solche einzusetzen, auch auf das Risiko hin, dass sich ihr eigener Status verändert.1

Privilegiert oder deprivilegiert sind Menschen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten gesellschaftlich konstruierten Kategorien. Das können beispielsweise Alter, Hautfarbe, kulturelle Herkunft, soziale Klasse, Ability/“Behinderung“ und eben auch Geschlecht sein. Je nach Kontext und Thema sind unterschiedliche Kategorien vordergründig, allerdings nehmen alle Kategorien zu jedem Zeitpunkt Einfluss auf die soziale Interaktion. Alle Individuen werden über oder durch mehrere Kategorien bestimmt, deren Überschneidungen haben Auswirkungen auf den Status der Privilegiertheit. Im Sinne dieser sogenannten Intersektionalität haben z.B. weiße Frauen andere Privilegien und sind anders von Machtverhältnissen betroffen als Schwarze Frauen, trotz oder gerade wegen ihrer gemeinsamen Zugehörigkeit zur Kategorie Frau.
In diesem Sinne heißt es Privilegien suchen, reflektieren und denen zu Teil werden lassen, denen sie tagtäglich verwehrt bleiben.
Gemeinsam streiten, gemeinsam kämpfen und solidarisch miteinander verbündet sein.

  1. Weinbach, Heike; Czollek, Leah Carola: Lernen in der Begnung – Theorie und Praxis von Social-Justice-Trainings. Düsseldorf 2008, 2. Auflage, S.13 [zurück]